In allen Bereichen der Medizin erlebt Deutschland einen Fachkräftemangel: in der Pflege, in den Krankenhäusern und auch bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. Auf der anderen Seite steigt die Zahl derer, die medizinische Hilfe benötigen. Durch Veränderungen der Gesundheitsbranche, wie die zunehmende Digitalisierung und den rasanten medizinischen Fortschritt, entstehen neue Berufsbilder. Diese können Ärzte und Pflege entlasten.

Veränderte Lebensmodelle bei Ärzten

Besonders spürbar ist diese Entwicklung auf dem Land, wenn Fach- oder Hausärzte in den Ruhestand gehen und keine Nachfolger finden. Dann bleiben Arztpraxen vielfach leer. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte streben nach einer eigenen Praxis. In einem Angestelltenverhältnis lassen sich eigene Vorstellungen manches Mal eher realisieren.

Auch ein anderer Trend ist hier relevant: Immer mehr Ärztinnen und Ärzte möchten Familie und Beruf besser in Einklang bringen und arbeiten in Teilzeit.

Der Gesundheitsmarkt ist im Wandel

Gleichzeitig wird der Gesundheitsmarkt immer attraktiver, und neue Berufsbilder entstehen. Nicht wenige erfordern ein abgeschlossenes Studium, was Auswirkungen auf die Gehälter in der Branche hat. Auch im Bereich der Pflege ist eine Akademisierung zu beobachten. Das führt zu einer Aufwertung des Pflegeberufs, verbunden mit mehr Verantwortung in der täglichen Arbeit.

Der medizinische Fortschritt und die Digitalisierung machen die einst konservative Gesundheitsbranche immer attraktiver und interessanter – auch für junge Menschen. Mit 16 Prozent Arbeitsmarktanteil ist die Gesundheitswirtschaft der größte Arbeitgeber Deutschlands.

Neue medizinische Berufe entstehen

Der sogenannte Physician Assistant (PA) ist in anderen Ländern seit Jahrzehnten anerkannter Beruf. Der Arztassistent schließt eine wichtige Lücke zwischen dem Ärztemangel und einem durch den demografischen Wandel bedingten erhöhten Bedarf an medizinischen Leistungen – indem er Ärzte bei der täglichen Arbeit entlastet. Dabei übernimmt der PA delegierbare Aufgaben, um der Ärztin oder dem Arzt mehr Zeit für die Arbeit an Patientinnen und Patienten zu geben. Das können Dokumentationen und Managementaufgaben sein sowie alle anderen Aufgaben, die nicht zwingend durch einen Arzt erfolgen müssen.

Auch die Fachkraft für digitale Gesundheit ist eines der neuen Berufsbilder, die eine Antwort auf veränderte Rahmenbedingungen geben – in diesem Fall die steigende Digitalisierung des Gesundheitssystems. Sie unterstützt in allen digitalen Prozessen rund um die Patientinnen und Patienten wie bei der elektronischen Patientenakte. Sie koordiniert auch die Nutzung von digitalen Technologien beispielsweise im Rahmen der Telemedizin.

Ein nur auf Telemedizin spezialisierter neuer Beruf ist der Telemedizinische Assistent. Dieser fährt zu den Patientinnen und Patienten nach Hause und misst wichtige Vitalparameter wie Blutdruck, Blutzucker, Sauerstoffgehalt im Blut, Atemvolumen oder schreibt ein EKG. Im Anschluss behandelt der Arzt seine Patientinnen und Patienten per Videokonferenz. Die Vorteile: erstens eine gute medizinische Betreuung auch über weite Distanzen. Zweitens können auch Menschen behandelt werden, die aufgrund ihres Alters oder schwerer Krankheiten Probleme haben, in die Praxis zu kommen. Um den digitalen Wandel weiter voranzutreiben, werden sich in den kommenden Jahren weitere solcher Berufe entwickeln.

Wenn wir uns diesen Entwicklungen gegenüber öffnen, nutzen wir die Chancen, die sich bieten: für eine zukunftssichere und sogar bessere Versorgung auf dem Land und in der Stadt.